Sie sitzen mit weit geöffneten Mündern und Augen vor mir. Der Moment ist eingefroren. Ich habe das nicht wirklich gesagt. Habe ich? Liegt es nicht auf der Hand? Wie konnten sie es nicht wissen? Ganze Welten stürzen gerade für sie ein.

Es begann ganz harmlos über Gespräche über Tantra. Bis wir zu einem brisanteren Thema stießen: Die Natur des Mannes.

Sie fragen sich:

Warum…

  • sitzen beste Kumpels stundenlang zusammen und wissen danach nichts über die Beziehung des anderen (wohingegen Frauen schon jedes Beziehungsproblem gegenseitig bis ins Tausendstel analysiert haben)?
  • sagen Männer „hab dich lieb“ zu ihren Frauen, obwohl diese sich dadurch eher verletzt fühlen, als geschmeichelt („hab dich lieb“ sagt man zu Müttern oder Freundinnen, aber nicht zur großen Liebe)?
  • machen sich Männer in einer Beziehung nicht so viel Mühe? Warum denken sie am Brezelstand nicht an ihre Freundin und kaufen gleich zwei, obwohl sie gerade auf dem Weg zu ihr sind?
  • kommt für Männer die Trennung unerwartet, plötzlich, unberechenbar und ohne Gnade, während Frauen es schon Monate im Voraus wissen?

Wir wollen doch alle harmonische Beziehung“, ruft ihr im Chor. „Warum schaut ihr Actionfilme, zockt bis in die Morgenstunden und spielt Fußball, während wir uns weiterbilden? Wir lesen Romane, schauen Liebesfilme, sprechen stundenlang mit unseren Freundinnen über unsere Beziehungen. Und ihr? Ihr sitzt da mit eurem Bier und habt keine Ahnung, was unsere Wünsche sind. Merkt nicht, wann wir sauer werden. Überrascht uns nicht mehr. Ja, ihr versucht nicht mal mehr uns zu erobern.

Sie haben recht. Wenn wir doch alle das Gleiche wollen, warum strengen sich dann Frauen so viel mehr an?

Ich habe darauf keine Antwort. Doch etwas lässt mich meinen Rücken zu ihnen drehen und aus dem Küchenfenster schauen. Ich sehe den Horizont. Unbekannte Welten. Noch nicht eroberte Flecken Erde. Mhmm, natürlich. „Der Wind. Es ist der Wind. Er ist der Grund. Er flüstert unseren Namen.“

Ihr schaut mich mit einem verwirrten Gesichtsausdruck an.

Doch es ist wahr. Egal, wo wir stehen. Wir hören den Ruf der Weite. Über was Männer sprechen, wenn sie zusammensitzen? Darüber, wie sie ihr Unternehmen so automatisieren können, dass es ihnen genug Geld bringt, damit sie die Welt umsegeln können.

Die Natur des Mannes

Woman love to see him run free – just not too far. – Zan Perrion

Männer (oder Frauen mit einem ausgeprägten Pol) sind Eroberer, Kämpfer, Weltrekorde-Brecher. Gib uns 11 Gegenspieler und einen Ball und wir werden alles dafür aufgeben, um diesen Ball über die Linie zu tragen. Alles für diesen Augenblick der Ekstase, der Erleichterung – angefeuert und verstanden vom Grölen zehntausender Männer Kehlen.

Ja, wir schauen Actionfilme lieber als Romanzen. Für euch sind es nur stupide Brutalitäten. Doch wir sehen zu den Idolen auf, die ihren Weg gehen. Ihre Wahrheit leben. Sich bis zum Schicksalsberg durchkämpfen und zählen, wie viele Orks sie dabei töten.

Ihr könnt das nicht verstehen. Doch in uns pulsiert das Blut tausender männlicher Generationen vor uns, die im Schlachtfeld obsiegt haben. Sie alle haben Unglaubliches geleistet, damit wir hier stehen. Kein Wunder, dass wir im Fitnessstudio wie besessen trainieren. Das ist nur zum Teil für euch. Es geht um mehr: Grenzen sprengen und Metall verbiegen.

Fragt ihr euch nicht, warum wir so viel arbeiten? Vielleicht begründet ihr es mit Geld verdienen oder unseren Status zu erhöhen. Zum Teil stimmt dies auch. Doch es geht um viel mehr: Uns einen Namen zu machen.

Ein Imperium zu schaffen.

Etwas, dass uns überlebt und unsterblich macht. Schiebe es auf unser aufgeblasenes Ego. Unsere Erziehung, in der wir früh gelernt haben, dass der Erste allen Ruhm und Liebe erntet. Schiebe es auf unsere Väter, die zu uns gesagt haben „Wenn du hart arbeitest, wird mal was aus dir“, aber nie: „Du bist schon was.“

Es ist nicht lange her, da sind wir für unsere Namen und Wappen gestorben. Heute ist die Tastatur unser Schwert. Die Beförderung unser Ritterschlag. Der Feuer speiende Drache unser Chef.

Ihr wollt die Wahrheit, warum Männer so sind, wie sie sind? Weil wir euch lieben. Wir lieben euch wirklich. Für uns seit ihr die schönste, bezaubernste, umwerfendste… Ablenkung unseres Lebens…

Deswegen sind wir gefühlt nie ganz da. Deswegen denken wir nicht die ganze Zeit an euch. Deswegen reden wir nicht über unsere Beziehungen untereinander. Weil wir nach Freiheit streben und einen Platz auf dieser Welt. Das steht bei uns an erster Stelle.

Danach kommt ihr.

Darum sind Männer so, wie wir sind.

Zugegeben, diese Erkenntnis stimmt mich auch ein wenig traurig. Doch es ist wahr. Es ist sogar so wahr, dass man die Handvoll Männer beim Namen kennt, die Frauen zu ihrer Mission gemacht haben: Casanova, Don Juan, Vicomte de Valmont, Zan Perrion, …

Aber halt. Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Bleib bei mir und gewinne wieder Vertrauen in die Männer.

„Moment mal“, werdet ihr erwidern. Euch fallen Männer ein, bei denen du ganz klar an erster Stelle stehst. Ich stimme dir zu. Manche Männer sind auf dieser Welt, um es dir Recht zu machen. Nur dir. Wie Zan so schön sagt: Die Größe eines Mannes kann man darin erkennen, wie groß das Problem ist, das er versucht zu lösen.

Für manche liegt die einzige Herausforderung im Leben darin, Handynummern zu sammeln. Sie schmeicheln dafür. Tragen deine Einkaufstaschen. Hören dir zu. Doch wollt ihr diese Art von Mann?

Er wäre doch die perfekte Wahl. Er will genauso die harmonische Beziehung wie ihr auch. Doch ihr seit euch nicht ganz sicher und dreht euch um, für Männer, die ein Ticken mehr Arschloch sind.

Liegt es an ihrer breiten, männlichen Statur? Sehen sie interessanter aus? Wählt ihr womöglich Männer, die euch weniger respektvoll behandeln, weil ihr unbewusst glaubt, dass ihr diesen Umgang verdient habt? Oder wollt ihr sie gar retten?

Es ist vielleicht ein Mix aus allen. Doch eine Sache ist noch viel wichtiger: Diese Männer machen euch nicht zum Lebensmittelpunkt. Sie haben ganz andere Probleme (Anzeige wegen Kokainschmuggel, eine Handvoll uneheliche Kinder, Spielschulden 😉).

Die Attraktivität kommt also nicht nur von seinem Äußeren. Es geht viel mehr darum:

Frauen wollen nicht das Abenteuer sein, sondern auf ein Abenteuer mitgenommen werden.

Fazit

Liebe besteht aus 3/4 aus Neugierde – Casanova

Für manche Männer sind Frauen und somit eine Beziehung nicht das Wichtigste. Und viele Frauen wollen das auch nicht. Perfekt. Happy End. Nicht wahr? Ahh, es liegt noch was im Argen. Fahren wir fort.

Frauen und Männer. Obwohl sie so unterschiedliche Motive haben, passen sie doch so gut zusammen.

Wir brauchen euch, damit ihr uns bestärkt. Die größte Vision in uns sieht und auf uns wettet. Und was geben wir euch? Früher war es Schutz. Ein Zuhause. Ein Teil von der erfolgreichen Mammutjagd. Mhmm, in dieser Zeit könnt ihr für euch selber sorgen. Braucht diese Dinge nicht mehr von uns.

Es ist nur eine Vermutung auf eine Frage, die so alt ist, wie das Universum selbst. Ich wage mich daran. Was Frauen wollen ist die uneingeschränkte Präsenz des Mannes. Das Gefühl gesehen und geliebt zu werden. Nicht einmal in der Woche. Nicht einmal am Tag. Sondern in jedem Wort und in jeder Geste.

Wie soll das gehen, wenn Männer doch dabei sind, sich einen Namen zu machen und Länder zu erobern? Wie soll das gehen, wenn sie nächtelang ihre Fähigkeiten verbessern, um zu Legenden zu werden?

Das ist die Crux. Jedoch ist es nicht unmöglich. In diesem schmalen Grad tänzeln einige. Nicht alle und die Zahl nimmt deutlich ab. Es gibt nur noch wenige Männer, die vor dem Spiegel stehen und fragen: „Was will ich wirklich? Wer möchte ich sein?“

Aber es gibt Männer, beides vereinen: Freiheit & Bindung. Wenn sie bei ihrer Frau sind, dann sind sie bei ihrer Frau. Als wäre sie das unbekannte Land, das es zu erobern gilt. Die verlockende Weite. Der Ruf des Windes.

Diese Aufmerksamkeit von einem Mann, der sein Ziel im Blick hat und dafür lebt und doch sie nur euch schenkt, seiner großen Liebe. Ist es nicht das, was ihr wollt? Diese Aufmerksamkeit ist deutlich wertvoller als von jenen Männern, die euch zur Hauptattraktion machen.

Und somit sind wir uns doch alle einig: Frauen brauchen und wollen die Liebe und Aufmerksamkeit von Männern. Jedoch nicht zum Preis dafür, dass wir unsere Mission verleugnen.


Ich liebe es zu schreiben und tief in Themen einzutauchen. Begleite mich dabei und werde selbst zum Freigeist. Mehr gibt es in meiner Post für Querdenker. Lass dir die Bestärkung nicht entgehen.

Bild @Daniel