Ich sehe die fragenden Blicke meiner Mitschüler und lasse mir nichts anmerken. „Wer hat das geschrieben?“, murmelt es durch die Bankreihen. Meine damalige Deutschlehrerin steht vor unserer Klasse und liest meine Schulaufgabe vor. Ich sinke derweil tiefer in meinen Stuhl.

Die Schulaufgabe bestand darin über ein zuvor ausgeteiltes Bild eine Geschichte zu schreiben. Ich bekam ein Bild von einem pompösen Anwesen und schrieb über die Ermordung des Papstes. Meine Mitschüler aus dem technischen Zweig schrieben über Softgun-Schlachten oder ihre letzte Geburtstagsfeier.

Im Nachhinein weiß ich nicht, warum ich den Mathezweig gewählt hatte. Wahrscheinlich wie bei so vielen wesensfremden Entscheidungen wegen der Vernunft, allgemein bezeichnet als „Jobaussicht“.

Selbst meine Versuchsbeschreibungen in Chemie hörten sich nach einer Abenteuergeschichte an: „Eines Nachts wachte ich schweißgebadet auf und sah nach dem Hefepilz, der das alchimistisch Unmögliche wagte: Zucker in Alkohol zu wandeln. Welch Hexenwerk und satanische Dreieinigkeit: Zucker, Alkohol und Pilze. Zwei Stoffe, die den Körper und Geist vergiften und ein labbriges Etwas, dass nur dann Geschmack annimmt, wenn es in Fett brät …“

Meine Chemielehrerin erlag ebenfalls dem Verlangen meine Versuchsergebnisse vor der Klasse vorzulesen. Anders als in der Deutschgeschichte war mir dies nicht peinlich.

Denn in dieser kam eine Liebesgeschichte vor. Dieses komplexe, emotionale Thema kann ich nicht einfach erspinnen. Ich muss sie erleben und daher baute ich meine Sehnsüchte und Vorstellungen meines Schwarms ein . Ich weiß nicht warum, aber ich habe ihren echten Namen genannt und meinen Gefühlen freien Lauf gelassen.

Wenn ich damals geahnt hätte, dass sie es gleich der ganzen Klasse vorlesen würde …

Es war in jener Zeit, in der der Status eines Einzelnen in dem Stamm aus dreißig hormongesteuerten Halbtagorks (wie uns unsere Klassenlehrerin nannte) über eine angenehme oder albtraumhafte Schulzeit bestimmt.

Ich hatte Glück, weil ich gut in Fußball war und meist als Erster in ein Team gewählt wurde. Zudem liebte ich es, große Partys zu organisieren. Mit anderen Worten: Meine Schulzeit war bis dahin angenehm.

Jedoch wankt das Selbstbewusstsein eines Teenagers genauso, wie nach zu vielen geglückten Versuchen mit Hefepilzen. Ich machte mich während sie vorlas kleiner und versuchte unbemerkt Schutz unter meinem Schreibtisch zu suchen.

Unvorstellbar, dass eine Deutschlehrerin einmal einen Text von mir vorlesen würde!

Sie nannte zum ersten Mal den Namen meines damaligen Schwarms und meine Freunde kombinierten messerscharf, wer die Geschichte geschrieben hatte. Sie lachten laut los, klopften mir auf die Schulter und in dem Moment ahnte meine Lehrerin, dass die Geschichte autobiografische Züge enthält.

Mein Kopf verdreifachte sich und lief rot an. Wie der Planet Mars bildete er ein eigenes Gravitationsfeld und zog jegliche Gefühle der Scham in seine Umlaufbahn. Es war nicht nur, dass ich meine Gefühle so offen beschrieben hatte. Ich konnte auch nicht mit der Anerkennung umgehen.

Wie Mariane Williamson schon sagte: Unsere größte Angst ist nicht, ungenügend zu sein. Unsere größte Angst ist, dass wir über alle Maße kraftvoll sind.

Meine Lehrerin las weiter und meine Mitschüler hörten noch gebannter zu. Daraufhin überreichte sie mir unter lauten Klatschen meine Arbeit. Lieber Leser, das Blatt zeigte mehr rote als blaue Tinte! Jede zweite Zeile war rot unterstrichen. Viele Wörter durchgestrichen. So sieht keine Einseraufsatz aus!

Meine Rechtschreibschwäche bescherte mir seit der Grundschule schlechte Noten. Aus diesem Grund riet man mir den Besuch eines Gymnasiums ab.

Mir fällt es sehr schwer, meine Worte mit Regeln zu bändigen.

Schreiben ist für mich wild, geschaffen in Trance und Überschwang. Wie ein Morgenrave im Berghain oder eine Jamsession in einer verrauchten Bar.

Wie kann Dämon Duden solch freigeistiges mit unzähligen Regeln zu Kommata und Grammatik fesseln? Keiner anderen Kunst windet sich in solch engem Korsett.

Durch die vielen Fehler, die ich in Deutsch machte festigte sich früh die Gewissheit, dass ich kein Deutsch kann. Dass ich zu blöd wäre, die Regeln zu verstehen.

Meine damalige Lehrerin sah ein Talent zwischen den Zeilen, dass ich selbst nicht erkannte. Diese Anerkennung bestärkte mich, aber es lebt weiterhin in mir der Glaube, dass ich nicht wirklich schreiben kann.

Nicht gerade förderlich, wenn neben der tanzenden Kerzenflamme nach endlosen Stunden der Selbstbefragung der Entschluss unausweichlich ist, dass ich eigentlich als Autor wirken möchte.

Ich kenne das Gefühl, wenn Wünsche im Herzen verstauben, weil innere Stimmen und Schreckensszenarien einen abhalten sie glatt zu polieren und nach außen zu tragen.

Warum auch der Stress? Ich hätte den leichten Weg gehen und meine Leidenschaft vernachlässigen können. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich DIR dadurch Wissen verwehre.

Beim Schreiben habe ich das Gefühl, dass etwas durch mich hindurch schreibt. Eine Intelligenz und Klarheit, die ich mir nicht zuschreiben kann. Wie Verrat würde es sich anfühlen, wenn ich jene Gedanken verstecken würde.

Dabei möchte ich dir helfen, dich von deinen Sorgen und Zweifeln zu befreien. Mein Blog und mein Buch sollen dir helfen dich zu erkennen, deine Gedanken zu deinem Diener zu machen und den Sinn hinter diesem Leben zu verstehen.

Meine Deutschlehrerin fragte mich nach der Stunde, ob sie meine Geschichte ihren anderen Klassen vorlesen dürfte. Obwohl mein Schwarm darunter war, stimmte ich zu. Ich wollte diesen Teil von mir nicht verstecken und mit den Reaktionen leben.

Genauso fällt es mir schwer, meine Texte zu veröffentlichen. Es kommen die gleichen Ängste hervor, wie vor zehn Jahren.

Mögen dir meine Geschichten ein guter Freund werden. Mir helfen sie auf meinen Reisen.

„Schon oft hat das Lesen eines Buches jemandes Zukunft beeinflusst.“ schrieb Ralph Waldo Emerson. Mit jener Intention habe ich die Zeilen in diesem Blog verfasst.

PS: Du möchtest wissen, wie ich persönlich das Gesetz der Anziehung anwende (und meine Traumpartnerin kennenlernte und wir in unsere Traum-Dachgeschoss-wohnung in München einzogen)? Trage dich in der Post für Freigeister ein. Hier teile ich nahbar und humorvoll, Techniken und Ideen, die dich deinen Zielen näher bringen.

Wie Mich Ängste Von Dem Zurückhielten, Was Ich Liebe
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