Besser schlafen mit Atemtechniken: 3 Übungen für die Nacht

Autor: Fabian Ries | Wirtschaftspsychologe (B.Sc.), Bestseller-Autor, 17+ Jahre-Erfahrung, Gründer der Hypnobreath®-Methode

Frau schläft friedlich im gemütlichen Schlafzimmer mit Pflanzen

Du liegst wach. Die Gedanken kreisen. Du schaust auf die Uhr, halb zwei. In fünf Stunden klingelt der Wecker. Und je mehr du versuchst einzuschlafen, desto wacher wirst du.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Millionen Menschen kämpfen jede Nacht mit dem Einschlafen oder wachen mitten in der Nacht auf und finden nicht mehr zurück in den Schlaf. Die meisten greifen irgendwann zu Schlaftabletten oder liegen stundenlang frustriert wach.

Dabei gibt es einen Schalter, der deinem Körper signalisiert, dass es Zeit ist, runterzufahren. Und dieser Schalter ist dein Atem. In diesem Artikel zeige ich dir, warum Atemtechniken wirksamer sind als die meisten Schlaftipps und welche drei Übungen du heute Nacht ausprobieren kannst.

Was beim Einschlafen wirklich passiert – und warum dein Atem der Schlüssel ist

Schlaf ist kein Schalter, den man umlegt. Es ist ein Übergang, vom Wachzustand in den Ruhemodus. Und dieser Übergang gelingt nur, wenn dein Nervensystem mitmacht.

Dein Körper hat zwei Grundzustände: Den Sympathikus („Kampf oder Flucht“) und den Parasympathikus („Ruhe und Regeneration“). Zum Einschlafen muss dein Körper in den Parasympathikus-Modus schalten. Aber wenn du den ganzen Tag unter Strom standest, E-Mails gecheckt hast, Probleme gewälzt hast, kann dein Nervensystem nicht einfach auf Knopfdruck umschalten.

Das Gedankenkarussell, das dich nachts wach hält? Es ist nicht die Ursache, es ist ein Symptom. Dein Gehirn grübelt, weil dein Nervensystem noch auf „Alarm“ steht.

Hier kommt der Atem ins Spiel: Er ist das einzige System in deinem Körper, das sowohl automatisch läuft als auch bewusst gesteuert werden kann. Er ist die Brücke zwischen deinem bewussten Verstand und deinem autonomen Nervensystem. Wenn du langsam und rhythmisch atmest, besonders mit verlängerter Ausatmung, signalisiert das deinem Körper: „Alles sicher. Du kannst loslassen.“

Das größte Schlafproblem, von dem niemand spricht: Mundatmung

James Nestor, Autor des Bestsellers „Breath“, machte ein radikales Experiment: Er ließ sich zehn Tage lang die Nase komplett zustopfen und atmete nur noch durch den Mund. Die Ergebnisse waren alarmierend.

Innerhalb weniger Tage stieg sein Schnarchen um 4.820 Prozent. Er entwickelte Schlafapnoe, Atemaussetzer, bei denen sein Sauerstoffgehalt auf unter 85 Prozent fiel. Er wachte ständig auf, hatte Kopfschmerzen, war tagsüber erschöpft.

Der Grund: Mundatmung löst eine Kettenreaktion aus. Die Weichteile im Rachen erschlaffen, die Atemwege verengen sich, die Zunge fällt nach hinten. Dr. Christian Guilleminault von Stanford fand heraus, dass selbst leichtes Schnarchen, ohne medizinisch diagnostizierte Schlafapnoe, zu Blutdruckproblemen, Stimmungsschwankungen und Lernschwächen führen kann.

Mundatmung verursacht außerdem einen Wasserverlust von 40 Prozent mehr als Nasenatmung. Das erklärt, warum du nachts aufwachst, Durst hast und zur Toilette musst. Während der tiefsten Schlafphasen schüttet die Hirnanhangsdrüse das Hormon Vasopressin aus, das den Körper anweist, Wasser zu speichern. Aber bei gestörtem Schlaf durch Mundatmung funktioniert dieser Mechanismus nicht richtig.

Warum Nasenatmung der Schlüssel zu tiefem Schlaf ist

Patrick McKeown, einer der weltweit führenden Atemexperten, beschreibt es so: Zwei Tage nachdem er auf konsequente Nasenatmung im Schlaf umstellte, erlebte er zum ersten Mal, wie es sich anfühlt, wirklich erholt aufzuwachen.

Die Nase ist nämlich weit mehr als ein Luftkanal. Sie produziert Stickstoffmonoxid (NO), ein Gas, das die Bronchien erweitert und die Atemwege offen hält. Beim Atmen durch die Nase aktivierst du außerdem das Zwerchfell stärker, was das Lungenvolumen erhöht und die Rachenmuskulatur strafft.

Noch faszinierender: Die Nase pulsiert im eigenen Rhythmus. Alle 30 Minuten bis 4 Stunden wechseln sich die Nasenlöcher ab, eines öffnet sich, während das andere leicht zuschwillt. Dieses Phänomen, der sogenannte Nasenzyklus, wurde erstmals 1895 vom deutschen Arzt Richard Kayser beschrieben.

Das rechte Nasenloch ist dabei wie ein Gaspedal, es aktiviert den Sympathikus, erhöht Herzfrequenz und Körpertemperatur. Das linke Nasenloch wirkt wie eine Bremse, es aktiviert den Parasympathikus, senkt Blutdruck und Puls. Wenn du nachts nicht schlafen kannst, ist oft das „falsche“ Nasenloch dominant.

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Übung 1: Die 4-7-8 Methode (nach Dr. Andrew Weil)

Diese Atemtechnik wurde von Dr. Andrew Weil, einem der bekanntesten integrativen Mediziner der USA, bekannt gemacht. Sie basiert auf einer alten Pranayama-Technik und wirkt, indem sie den Parasympathikus direkt aktiviert.

So geht’s:

  1. Leg die Zungenspitze an den Gaumen, direkt hinter die oberen Schneidezähne. Lass sie dort für die gesamte Übung.
  2. Atme komplett durch den Mund aus, mit einem hörbaren Seufzer.
  3. Schließe den Mund und atme leise durch die Nase ein, während du bis 4 zählst.
  4. Halte den Atem an und zähle bis 7.
  5. Atme vollständig durch den Mund aus und zähle bis 8.
  6. Das ist ein Zyklus. Wiederhole 3-4 Zyklen.

Warum es funktioniert:

Zwei Dinge passieren gleichzeitig. Erstens: Wenn du den Atem anhältst, steigt der CO2-Gehalt in deinem Blut leicht an. Patrick McKeown erklärt, dass dieser CO2-Anstieg den Vagusnerv stimuliert, den Hauptnerv des Parasympathikus, und das Herz verlangsamt. Zweitens: Die verlängerte Ausatmung (8 Sekunden) verstärkt diesen Effekt. Eine Studie aus 2020 zeigte, dass Zwerchfellatmung mit verlängerter Ausatmung bei sechs Atemzügen pro Minute sogar Schmerzen reduzieren kann.

Das Beste: Du brauchst keine Vorbereitung, keine App, keine Hilfsmittel. Du kannst im Bett liegen bleiben und sofort loslegen.

Übung 2: Body-Scan mit verlängerter Ausatmung

Diese Übung ist ideal, wenn dein Kopf nicht aufhören will zu rattern. Statt die Gedanken zu bekämpfen, lenkst du deine Aufmerksamkeit in den Körper und nutzt jede Ausatmung, um Spannung loszulassen.

So geht’s:

  1. Leg dich auf den Rücken, Arme locker neben dem Körper, Augen geschlossen.
  2. Atme langsam durch die Nase ein (ca. 4 Sekunden).
  3. Atme doppelt so lange durch die Nase aus (ca. 8 Sekunden).
  4. Beim Ausatmen: Lenke deine Aufmerksamkeit auf deine Füße. Stell dir vor, wie jede Anspannung mit der Ausatmung fließt.
  5. Nächste Ausatmung: Waden. Dann Oberschenkel. Becken. Bauch. Brust. Schultern. Arme. Nacken. Gesicht.

Warum es funktioniert:

Du gibst deinem Gehirn eine Aufgabe, und zwar eine, die nichts mit deinen Problemen zu tun hat. Das allein reduziert bereits die Aktivität im präfrontalen Kortex, der für Grübeln und Sorgen zuständig ist.

Außerdem: Eine japanische Studie zeigte, dass Nasenatmung die Sauerstoffversorgung des präfrontalen Kortex stabilisiert, während Mundatmung dort Störungen verursacht, ähnliche Muster wie bei ADHS. Wenn du also mit dem Kopf nicht aufhören kannst zu rotieren, ist die Lösung nicht „nicht denken“, sondern anders atmen.

Übung 3: Geführte Hypnobreath Schlaf-Session

Die ersten beiden Übungen sind perfekt für den Sofort-Einstieg. Aber wenn du eine tiefere Lösung suchst, etwas, das nicht nur beim Einschlafen hilft, sondern die Schlafqualität insgesamt verbessert, dann ist eine geführte Session der nächste Schritt.

In meinem Schlafkurs „Hypnobreath Meditation“ kombiniere ich sanfte Atemarbeit mit hypnotischen Suggestionen und speziell komponierter Musik. Du atmest im Rhythmus der Musik, während eine Stimme dich tiefer in die Entspannung führt.

Das Besondere: Die verbundene Nasenatmung fährt dein Nervensystem herunter, sanft, ohne Hyperventilation. Gleichzeitig wirken die hypnotischen Sprachmuster auf dein Unterbewusstsein. Nicht als platte Affirmationen, sondern als ressourcenstärkende Impulse, die genau dann ankommen, wenn dein innerer Kritiker heruntergefahren ist.

„Es fühlt sich an, als hätte jemand plötzlich den Lärm in meinem Kopf abgestellt. Endlich diese Ruhe.“ – Teilnehmerin

Bonus-Tipp: Mund zukleben – klingt verrückt, funktioniert

Es klingt drastisch, aber immer mehr Schlafexperten empfehlen es: Mit einem speziellen Tape den Mund während des Schlafens geschlossen halten.

Patrick McKeown, der über 8.000 Patienten behandelt hat, sagt dazu: Wenn du morgens mit trockenem Mund aufwachst, hast du durch den Mund geatmet. Das Tape zwingt dich zur Nasenatmung, und viele Menschen berichten, dass sie schon nach wenigen Nächten deutlich erholter aufwachen.

Wichtig: Verwende kein normales Klebeband. Es gibt spezielles, hautfreundliches Mundtape (MyoTape), das sich leicht lösen lässt. Und teste es zuerst tagsüber, um dich daran zu gewöhnen.

Warum die Schlafposition wichtiger ist als du denkst

Eine Studie mit 574 Schlafapnoe-Patienten zeigte: In Rückenlage hatten die Teilnehmer mindestens doppelt so viele Atemaussetzer wie auf der Seite. Eine weitere Untersuchung mit über 2.000 Patienten bestätigte: Fast 54 Prozent erlebten deutlich weniger Atemprobleme, wenn sie nicht auf dem Rücken schliefen.

Der Grund: Die Schwerkraft. Wenn du auf dem Rücken liegst, fällt die Zunge nach hinten und verengt die Atemwege. Außerdem öffnet sich der Mund leichter. Auf der Seite bleiben die Atemwege offener.

Ein einfacher Trick: Ein Tennisball in einem Socken, am Rücken des Schlafshirts befestigt. Unangenehm genug, um dich automatisch auf die Seite zu drehen, aber nicht so unangenehm, dass du davon aufwachst.

Häufige Fragen: Atemtechniken zum Einschlafen

Wie lange dauert es, bis Atemtechniken beim Einschlafen helfen?

Die meisten Menschen spüren nach 5-10 Minuten eine deutliche Entspannung. Bei regelmäßiger Anwendung wird der Effekt schneller und stärker, weil dein Körper lernt, auf das Signal zu reagieren.

Kann ich die 4-7-8 Technik jede Nacht machen?

Ja, absolut. Tägliche Anwendung ist sogar empfohlen. Je öfter du die Technik nutzt, desto stärker wird die Assoziation zwischen der Atemübung und dem Einschlafen.

Was mache ich, wenn ich nachts aufwache?

Genau das Gleiche. Die 4-7-8 Methode funktioniert auch mitten in der Nacht. Bleib liegen, mach 3-4 Zyklen. Wichtig: Nicht auf die Uhr schauen, das aktiviert nur das Stress-System.

Hilft Atemtechnik bei Schlafstörungen?

Atemtechniken können definitiv helfen, sind aber kein Ersatz für ärztliche Behandlung bei ernsthaften Schlafstörungen. Wenn du über Wochen nicht richtig schläfst, solltest du das abklären lassen. Atemtechniken sind dann eine wertvolle Ergänzung.

Warum funktioniert „einfach entspannen“ nicht?

„Entspann dich“ ist ein Befehl an den bewussten Verstand, und der steuert dein autonomes Nervensystem nicht direkt. Du kannst dir nicht befehlen, deinen Herzschlag zu verlangsamen. Aber du kannst atmen. Und über den Atem erreichst du diese Systeme indirekt.

Fazit: Heute Nacht ausprobieren

Du hast jetzt verstanden, warum der Atem so mächtig ist: Er ist die direkte Verbindung zwischen deinem bewussten Verstand und deinem autonomen Nervensystem. Und du hast drei konkrete Werkzeuge an der Hand.

Die 4-7-8 Methode für schnelle Hilfe. Den Body-Scan, wenn dein Kopf nicht aufhören will zu rattern. Und geführte Hypnobreath Sessions, wenn du tiefer gehen willst.

Meine Empfehlung: Fang heute Nacht mit der 4-7-8 Methode an. Drei Zyklen, mehr nicht. Und schau, was passiert. Das Schöne: Du brauchst keine Ausrüstung. Nur dich und deinen Atem.

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Über den Autor

Fabian Ries ist Wirtschaftspsychologe, Bestseller-Autor und Gründer der Hypnobreath-Methode. Seit er mit 16 Jahren durch Selbsthypnose vom Ersatzspieler zum Mannschaftskapitän wurde, erforscht er die Verbindung von Atem, Bewusstsein und Transformation. Über 250.000 Sessions und 50+ ausgebildete Trainer später ist Hypnobreath© eine der führenden Methoden im deutschsprachigen Raum.

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